Raif Toma
26-07-2005, 05:20 PM
Seine Heiligkeit Mar Ignatius Zaka I Patriarch der syrischen Orthodoxen Kirche von Antiochien schrieb in einem Artikel der libanesischen Zeitung „Al-Nahar" von 12.06.2005 mit Überschrift „eine historische Ergänzung im Aufbau einer arabischen Kultur - Islam und Christentum"
Ich habe mir lange überlegt, ob ich darauf antworte und habe diesen Beitrag geschrieben, doch auch lange überlegt, ob ich ihn veröffentliche. Denn Ich weiß, dass einige dies ausnutzen werden, um als antikirchlich, antiklerikal und antireligiös zu bezeichnen und dies sogar auf Grund pan-mesopotamistischer assyristischer Gedanken begründen. Nun es kann auch sein, dass, wenn einige jugendlichen und Intellektuelle unseres Volkes, die im freien Westen leben durch manche Details im Artikel frustriert und enttäuscht werden. Doch ich möchte dies alles riskieren und meine Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen. Diese Freiheit, die mir hier in der Bundesrepublik „Gott behüte sie" niemand wegnehmen kann. Ich sehe es auch als eine Verantwortung gegenüber mein Volk und meine Geschichte und der nationalen Sache, Wahrheiten über unser Volk, seiner Identität und seiner Geschichte zu verteidigen.
Ich möchte am Anfang meinen Respekt und meine Ehre vor seiner Heiligkeit betonen. Ich respektiere auch seine Meinung, wenn es wirklich seine Meinung war.
Schon die Überschrift hat mich gerüttelt, denn Islam und Christentum haben nicht die Aufgabe die arabische Kultur aufzubauen, weil sie auch in den Ländern mit der arabischen Mehrheit unparteiisch sein sollen. Und dies überschreitet die Aufgaben der Religionen.
Doch dann stellt sich die Frage, warum das Christentum die arabische Kultur aufbauen soll und nicht auch die mesopotamische Hochkultur, die vor einer Vernichtung stehet und rigoros verfälscht wird.
Dann kommt die Feststellung seiner Heiligkeit, dass unsere Syrisch-Orthodoxe Kirche unter ihren Aufgaben nun auch sieht, den Aufbau einer arabischen Kultur. Nun stelle ich seiner Heiligkeit die Frage, ob die Araber wirklich die Syrisch-Orthodoxe Kirche brauchen für den Aufbau einer arabischen Kultur. Zwar lebt die Mehrheit der Gläubigen dieser Kirche in den Ländern des nahen Ostens, doch diese sehen sich in der Mehrheit zwar als ein Teil dieser Gesellschaften und tun ihren Beitrag aktiv und loyal für die Einheit und Stabilität der einzelnen Nationalstaaten, doch sie sind und fühlen sich nicht als Araber.
Seine Heiligkeit kam (doch ohne wissenschaftliche Quellen zu nennen) zu der Feststellung, dass „die Urheimat des arabischen, christlichen und moslemischen Volkes ist die arabische Halbinsel".
Nun wenn er damit nur die arabischen Muslime und die kleine Minderheit unter den Christen des nahen Ostens die arabischer Abstammung sind, so stimmt es, doch wenn er damit alle Angehörige der ostchristlichen Kirchen meint, so hat er meiner Meinung nach einen großen unakzeptablen Fehler begonnen
Die Christen des syro-mesopotamischen Raumes lebten vor der gewaltsamen Eingreifung der arabische Muslime im Gebiet. Kann sein, dass einige daran eine Befreiung aus der allgemeinen Unterdrückung der Römer sahen, doch die meisten mussten sich sehr schnell enttäuschen lassen. Ich habe in einem Buch von Suhel Qasha über die Geschichte der Stadt Tikrit gelesen, welche Grausamkeiten die arabische Muslime den Christen dort zufügten, um sie zu unterkriegen und zum Islam zu zwingen.
Sie waren die ersten, die Syrien und Mesopotamien besiedelten. Und waren immer ein Bestandteil der Bevölkerung der sumerischen, akkadischen, babylonischen und assyrischen Reiche, sowie der aramäischen Stadtstaaten.
Wenn an der Grenze Arabien und in Nordarabien sich die aramäischen Stämme später siedelten, so ist es nicht ein Beweis ihres Ursprungs aus Nordarabien. Denn unser Volk siedelte Zypern, Indien und Persien, so wie Armenien an und die Kommunikation war mit den benachbarten Völkern sehr rag.
Seine Heiligkeit beschrieb das Ende der römischen Unerdrückung mit der Erscheinung des Islams, so frage ich dann, wie schafften es dann die Muslime die Christen des Gebietes zum Islam zu bringen, etwa durch reine Mission. Welche Argumente baten sie, dass diese Christen Araber und Nichtaraber freiwillig zum Islam konvertierten. Wenn die Mehrheit der Christen konvertierte so müssten wir heute wahrscheinlich in Irrtum sein, weil wir Christen blieben???. Oder waren es wirklich nur die Mongolen und später die Osmanen, die unsere Vorfahren massakrierten, was ich auch zweifele.
Sicherlich haben Wissenschaftler, Schriftgelehrten und Übersetzer den Schutz der Kalifen, doch nur aus dem Grund, weil die Kalifen diese brauchten. Diese waren auch in der Mehrheit keine Araber.
Die „Leute des Buches" galten freilich als Untertanen minderen Rechts mit durchaus einschneidenden Bestimmungen, die das Leben des einzelnen wie das der Kirchen insgesamt prägten, und sie waren vor allem einer Sondersteuer unterworfen, die zumeist über die Kirchengemeinden eingezogen wurde. Auch in der Zeit des Kalifen Omars gab es christenfeindliche Fetwas, wie gegen die Umkehrer zum Christentum oder gar Konvertiten oder gegen Islamkritiker oder die Verbindung zu einer muslimischen Frau. Doch auch die Fetwas gegen das Läuten von Kirchenglocken und der lauten Lesung von Psalmen und Texte aus der Bibel und gegen das öffentliche Aufzeigen von Kreuze und das verkaufen von Alkohol.
Seine Heiligkeit fordert dann von uns als ein arabisches Volk, die arabische Einheit zu festigen und die Fahne des Arabismus hochzuheben.
Doch in wieweit fühlen sich die Angehörige der syrisch-orthodoxen Kirche, die im Westen leben mit dem Arabismus und was sie dazu meinen. Dan stellt sich die Frage, ob diese bereit sind für die Festigung der nicht existierenden und sich nie zu erfüllenden arabischen Einheit.
Nun meiner Meinung nach es gibt keine arabische Einheit, dies ist nur ein nicht zu erfüllenden Ziel der Panarabisten, Baathisten und Nasseristen, doch nicht der Mehrheit der Bevölkerungen der Mitgliedsländer der arabischen Liga.
Unser Volk lebt zwar in diesen Ländern mit den Arabern und anderen Völkern zusammen und das ist gut so, doch hat keine gemeinsame Muttersprache denn die Araber sprechen kein Syrisch und leben nur seit weniger als 1400 Jahren mit uns gemeinsam und was ist das im Vergleich zu unserer langen Geschichte als erste Zivilisationen.
Doch auf gar keinen Fall ist die Mehrheit unseres Volkes bereit die Fahne des Arabismus hochzuheben. Erst mal die Fahne kenne ich nicht und wenn es eine symbolische Bedeutung hat, so frage ich mich, warum soll unser Patriarch als unparteiisch uns – sogar im Ausland auffordern für die politische Ideologie aufzutreten, die die Baathpartei vertritt, zudem die meisten von uns diese politische Ideologie nicht vertreten. Richard Wagner sieht, dass mit der Herausbildung der Nationalstaaten eine nationalistische Mythenbildung betrieben, um die neuen Nationen zu rechtfertigen. Hier geht es um arabisch-muslimischer Nationalismus.
Diese politische Positionen kirchlicher Institutionen und Kirchenoberhäupter können auch zu Konflikten innerhalb unserer Gemeinden im Westen führen.
Jörg Bremer berichtete in der FAZ von 1999 „In Chicago weigerten sich Mitte Februar syrische und libanesische Christen in der Sankt-Sarkis-Kirche, nach der Messe Solidarität für Assad zu bekunden. Es kam zu Faustkämpfen. "Dies ist weder Beirut noch Damaskus - dies ist Chicago", schimpften Christen auf Assad-Lobbyisten."
Seine Heiligkeit hat damit alle Angehörigen der Ostkirchen angesprochen. Und hier frage ich, ob alle Patriarchen unserer Kirchen damit einverstanden sind, dass der syrisch-orthodoxe Patriarch über die nationale Identität der Gläubige anderer Kirchen bestimmen kann.
Wenn wir über die Gründe solcher Veröffentlichungen fragen, so sind die Meisten der Politiker und Intellektuelle total konfus und Fragend. Einige sind der Meinung, dass seine Heiligkeit die historische Wirklichkeit kennt, doch das syrische Regime den Patriarchen dazu zwingt, panarbistische Gedanken und Verfälschungen zu unterbreiten. Andere dass es als Antwort auf die Aufforderung des chaldäischen Patriarchen Dalli zur Anerkennung einer vorher nicht bekannten chaldäischen Nation. Andere sehen darin nicht mehr als Schmeichelnsversuche, um die Nähe an dem Regime zu erzielen.
Doch diese Entwicklungen und ungesunde Phänomene innerhalb unseres Volkes, ist ein Resultat des Versagens der Intellektuellen und der politischen Organisationen sowie der sozialen und kulturellen Institutionen.
In Liebe
Raif Toma
16.072005
Ich habe mir lange überlegt, ob ich darauf antworte und habe diesen Beitrag geschrieben, doch auch lange überlegt, ob ich ihn veröffentliche. Denn Ich weiß, dass einige dies ausnutzen werden, um als antikirchlich, antiklerikal und antireligiös zu bezeichnen und dies sogar auf Grund pan-mesopotamistischer assyristischer Gedanken begründen. Nun es kann auch sein, dass, wenn einige jugendlichen und Intellektuelle unseres Volkes, die im freien Westen leben durch manche Details im Artikel frustriert und enttäuscht werden. Doch ich möchte dies alles riskieren und meine Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen. Diese Freiheit, die mir hier in der Bundesrepublik „Gott behüte sie" niemand wegnehmen kann. Ich sehe es auch als eine Verantwortung gegenüber mein Volk und meine Geschichte und der nationalen Sache, Wahrheiten über unser Volk, seiner Identität und seiner Geschichte zu verteidigen.
Ich möchte am Anfang meinen Respekt und meine Ehre vor seiner Heiligkeit betonen. Ich respektiere auch seine Meinung, wenn es wirklich seine Meinung war.
Schon die Überschrift hat mich gerüttelt, denn Islam und Christentum haben nicht die Aufgabe die arabische Kultur aufzubauen, weil sie auch in den Ländern mit der arabischen Mehrheit unparteiisch sein sollen. Und dies überschreitet die Aufgaben der Religionen.
Doch dann stellt sich die Frage, warum das Christentum die arabische Kultur aufbauen soll und nicht auch die mesopotamische Hochkultur, die vor einer Vernichtung stehet und rigoros verfälscht wird.
Dann kommt die Feststellung seiner Heiligkeit, dass unsere Syrisch-Orthodoxe Kirche unter ihren Aufgaben nun auch sieht, den Aufbau einer arabischen Kultur. Nun stelle ich seiner Heiligkeit die Frage, ob die Araber wirklich die Syrisch-Orthodoxe Kirche brauchen für den Aufbau einer arabischen Kultur. Zwar lebt die Mehrheit der Gläubigen dieser Kirche in den Ländern des nahen Ostens, doch diese sehen sich in der Mehrheit zwar als ein Teil dieser Gesellschaften und tun ihren Beitrag aktiv und loyal für die Einheit und Stabilität der einzelnen Nationalstaaten, doch sie sind und fühlen sich nicht als Araber.
Seine Heiligkeit kam (doch ohne wissenschaftliche Quellen zu nennen) zu der Feststellung, dass „die Urheimat des arabischen, christlichen und moslemischen Volkes ist die arabische Halbinsel".
Nun wenn er damit nur die arabischen Muslime und die kleine Minderheit unter den Christen des nahen Ostens die arabischer Abstammung sind, so stimmt es, doch wenn er damit alle Angehörige der ostchristlichen Kirchen meint, so hat er meiner Meinung nach einen großen unakzeptablen Fehler begonnen
Die Christen des syro-mesopotamischen Raumes lebten vor der gewaltsamen Eingreifung der arabische Muslime im Gebiet. Kann sein, dass einige daran eine Befreiung aus der allgemeinen Unterdrückung der Römer sahen, doch die meisten mussten sich sehr schnell enttäuschen lassen. Ich habe in einem Buch von Suhel Qasha über die Geschichte der Stadt Tikrit gelesen, welche Grausamkeiten die arabische Muslime den Christen dort zufügten, um sie zu unterkriegen und zum Islam zu zwingen.
Sie waren die ersten, die Syrien und Mesopotamien besiedelten. Und waren immer ein Bestandteil der Bevölkerung der sumerischen, akkadischen, babylonischen und assyrischen Reiche, sowie der aramäischen Stadtstaaten.
Wenn an der Grenze Arabien und in Nordarabien sich die aramäischen Stämme später siedelten, so ist es nicht ein Beweis ihres Ursprungs aus Nordarabien. Denn unser Volk siedelte Zypern, Indien und Persien, so wie Armenien an und die Kommunikation war mit den benachbarten Völkern sehr rag.
Seine Heiligkeit beschrieb das Ende der römischen Unerdrückung mit der Erscheinung des Islams, so frage ich dann, wie schafften es dann die Muslime die Christen des Gebietes zum Islam zu bringen, etwa durch reine Mission. Welche Argumente baten sie, dass diese Christen Araber und Nichtaraber freiwillig zum Islam konvertierten. Wenn die Mehrheit der Christen konvertierte so müssten wir heute wahrscheinlich in Irrtum sein, weil wir Christen blieben???. Oder waren es wirklich nur die Mongolen und später die Osmanen, die unsere Vorfahren massakrierten, was ich auch zweifele.
Sicherlich haben Wissenschaftler, Schriftgelehrten und Übersetzer den Schutz der Kalifen, doch nur aus dem Grund, weil die Kalifen diese brauchten. Diese waren auch in der Mehrheit keine Araber.
Die „Leute des Buches" galten freilich als Untertanen minderen Rechts mit durchaus einschneidenden Bestimmungen, die das Leben des einzelnen wie das der Kirchen insgesamt prägten, und sie waren vor allem einer Sondersteuer unterworfen, die zumeist über die Kirchengemeinden eingezogen wurde. Auch in der Zeit des Kalifen Omars gab es christenfeindliche Fetwas, wie gegen die Umkehrer zum Christentum oder gar Konvertiten oder gegen Islamkritiker oder die Verbindung zu einer muslimischen Frau. Doch auch die Fetwas gegen das Läuten von Kirchenglocken und der lauten Lesung von Psalmen und Texte aus der Bibel und gegen das öffentliche Aufzeigen von Kreuze und das verkaufen von Alkohol.
Seine Heiligkeit fordert dann von uns als ein arabisches Volk, die arabische Einheit zu festigen und die Fahne des Arabismus hochzuheben.
Doch in wieweit fühlen sich die Angehörige der syrisch-orthodoxen Kirche, die im Westen leben mit dem Arabismus und was sie dazu meinen. Dan stellt sich die Frage, ob diese bereit sind für die Festigung der nicht existierenden und sich nie zu erfüllenden arabischen Einheit.
Nun meiner Meinung nach es gibt keine arabische Einheit, dies ist nur ein nicht zu erfüllenden Ziel der Panarabisten, Baathisten und Nasseristen, doch nicht der Mehrheit der Bevölkerungen der Mitgliedsländer der arabischen Liga.
Unser Volk lebt zwar in diesen Ländern mit den Arabern und anderen Völkern zusammen und das ist gut so, doch hat keine gemeinsame Muttersprache denn die Araber sprechen kein Syrisch und leben nur seit weniger als 1400 Jahren mit uns gemeinsam und was ist das im Vergleich zu unserer langen Geschichte als erste Zivilisationen.
Doch auf gar keinen Fall ist die Mehrheit unseres Volkes bereit die Fahne des Arabismus hochzuheben. Erst mal die Fahne kenne ich nicht und wenn es eine symbolische Bedeutung hat, so frage ich mich, warum soll unser Patriarch als unparteiisch uns – sogar im Ausland auffordern für die politische Ideologie aufzutreten, die die Baathpartei vertritt, zudem die meisten von uns diese politische Ideologie nicht vertreten. Richard Wagner sieht, dass mit der Herausbildung der Nationalstaaten eine nationalistische Mythenbildung betrieben, um die neuen Nationen zu rechtfertigen. Hier geht es um arabisch-muslimischer Nationalismus.
Diese politische Positionen kirchlicher Institutionen und Kirchenoberhäupter können auch zu Konflikten innerhalb unserer Gemeinden im Westen führen.
Jörg Bremer berichtete in der FAZ von 1999 „In Chicago weigerten sich Mitte Februar syrische und libanesische Christen in der Sankt-Sarkis-Kirche, nach der Messe Solidarität für Assad zu bekunden. Es kam zu Faustkämpfen. "Dies ist weder Beirut noch Damaskus - dies ist Chicago", schimpften Christen auf Assad-Lobbyisten."
Seine Heiligkeit hat damit alle Angehörigen der Ostkirchen angesprochen. Und hier frage ich, ob alle Patriarchen unserer Kirchen damit einverstanden sind, dass der syrisch-orthodoxe Patriarch über die nationale Identität der Gläubige anderer Kirchen bestimmen kann.
Wenn wir über die Gründe solcher Veröffentlichungen fragen, so sind die Meisten der Politiker und Intellektuelle total konfus und Fragend. Einige sind der Meinung, dass seine Heiligkeit die historische Wirklichkeit kennt, doch das syrische Regime den Patriarchen dazu zwingt, panarbistische Gedanken und Verfälschungen zu unterbreiten. Andere dass es als Antwort auf die Aufforderung des chaldäischen Patriarchen Dalli zur Anerkennung einer vorher nicht bekannten chaldäischen Nation. Andere sehen darin nicht mehr als Schmeichelnsversuche, um die Nähe an dem Regime zu erzielen.
Doch diese Entwicklungen und ungesunde Phänomene innerhalb unseres Volkes, ist ein Resultat des Versagens der Intellektuellen und der politischen Organisationen sowie der sozialen und kulturellen Institutionen.
In Liebe
Raif Toma
16.072005